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Fachpresse: C2 Deutschland, Ausgabe 51, Juli 2015

Auf drei Beratungssäulen zum Unternehmenserfolg

| Wie Sie Ihre Produktion dank bewährter Lösungen noch effizienter gestalten können |

Interview mit Joachim Schütz, Leiter MES-Vertrieb

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Um ihre Produktion zu optimieren, setzen heute viele Unternehmen auf so genannte Manufacturing Execution Systeme, auch als MES-Lösungen oder Betriebsführungssysteme bekannt. Ergänzend können Prozesse innerhalb einer Organisation durch so genanntes Lean Consulting, die Anlagen und Verfahrenstechnik durch Tech Consulting analysiert und optimiert werden. Nach Ansicht von Joachim Schütz, Vertriebsleiter der Grass GmbH, die sich seit über 30 Jahren auf MES-Systeme für die Bereiche Folie, Papier, Nonwovens und Hightech-Textil, also auf Branchenlösungen für Rollenfertiger und Converter, spezialisiert hat, werden jedoch häufig nicht alle drei Leistungsbereiche angewendet oder sie werden von unterschiedlichen Dienstleistern in Anspruch genommen. „Unsere Erfahrung zeigt, dass diese Herangehensweise nicht nur einen erhöhten Koordinationsbedarf nach sich zieht, sondern auch zu Beratungsbrüchen führt, die die Ergebnisse und die Umsetzungszeit der Produktions-, Organisations- oder Verfahrensanalyse nachweisbar beeinträchtigt.“ Vielversprechender sind nach Ansicht des Experten integrierte Ansätze, die sowohl die Systemunterstützung durch MES als auch die Lean-Methoden- und die Technologie-Kompetenz zu einer schlagkräftigen, aufeinander abgestimmten Gesamtleistung vereinen und attraktive Synergieeffekte freisetzen.

C2: Herr Schütz, nicht jedes Unternehmen wendet bereits Betriebsführungssysteme an. Können Sie uns kurz die wesentlichen Eckpunkte von MES und dessen Vorzüge erläutern?

Joachim Schütz: Ja gern, Manufacturing Execution Systems stehen für Transparenz und Prozesskontrolle in der Produktion. Sie ermöglichen eine schlanke und flexible Fertigungsplanung und liefern zuverlässige Produktionsrückmeldungen on demand. Dank dieses Datenpools aus Input-/Output-Meldungen, Mengen und Zeiten, Logistik-, Qualitäts-, Prozess- und Maschinendaten, stehen dem Management auf Knopfdruck umfangreiche Informationen für operative und strategische Entscheidungen zur Verfügung. So können, um nur ein Beispiel zu nennen, Prozessabweichungen schnell erkannt und behoben werden, bevor sie sich zu teuren Fehlern potenzieren. Somit trägt MES direkt zur Steigerung der Prozessstabilität bei und legt das Fundament für ein effizientes Produktionsmanagement.

C2: Modernes Lean-Management geht ja noch einen Schritt weiter.

J. Schütz: Ja, mithilfe moderner Management-Methoden trägt Lean Consulting maßgeblich dazu bei, Verschwendungen in den Produktionsprozessen zu eliminieren, die verborgenen Produktivitätspotenziale zu identifizieren und zu nutzen. Als Bestandteil einer umfassenden Manufacturing-Excellence-Strategie hilft Lean-Management auf der operativen und Führungsebene dabei, die durch das MES erfasste Ist-Situation exakt wahrzunehmen, Daten korrekt zu interpretieren und daraus resultierende Entscheidungen gewinnbringend und nachhaltig umzusetzen.

C2: Tech Consulting wiederum konzentriert sich auf die Analyse und Auswertung aller technologischen Prozesse einer Produktion.

J. Schütz: Richtig, Tech Consulting ist ein maschinennaher und verfahrenstechnischer Ansatz, der alle technologischen Prozesse der Produktion, die Optimierung von Fertigungsanlagen und die Steigerung der Rohstoffeffizienz umfasst und auf diese Weise das gesamte Optimierungspotenzial optimal ausgeschöpft.

C2: Aus Ihrer Sicht garantiert aber erst der Dreiklang aus System, Methode und Technologie die besten Ergebnisse für Ihre Kunden. Können Sie uns Beispiele nennen?

J. Schütz: Ja, erst das Zusammenspiel der drei Beratungssäulen ermöglicht eine Optimierung von Produktionsprozessen und -abläufen. So beschränkt sich das Beratungs-Trio ja keineswegs nur auf die Bereitstellung von Zahlen, Daten und Fakten, sondern beinhaltet auch die Anlagen- und Verfahrens-Technologie. Am Beispiel einer Rüstoptimierung kann man das sehr gut verdeutlichen: In einem ersten Schritt liefert das MES umfangreiche Informationen, die zur Analyse der Rüstzeiten einer Anlage und zur Identifikation der größten Kostentreiber herangezogen werden können. Dabei bedient man sich z.B. des so genannten SMED-Verfahrens (Single Minute Exchange of Die; dt.: Werkzeugwechsel im einstelligen Minutenbereich), das die Rüstzeit einer Produktionsmaschine oder einer Fertigungslinie reduzieren soll. Auf dieser Grundlage können wir mithilfe des Lean-Consulting eine Optimierung und Standardisierung der Rüstprozesse durchführen. Gleichzeitig gewährleistet der praxisnahe Ansatz des Technologie-Consulting die technisch-notwendige Optimierung der Anlagen. Auch das Thema Materialeffizienz spielt bei unseren Beratungskunden immer wieder eine sehr große Rolle, denn gerade in der verarbeitenden Industrie ist ‚Material’ der größte Kostenfaktor jeder Unternehmung. Die gute Nachricht ist, dass sich vor allem in diesem Bereich erhebliche Einsparpotenziale finden und mit hoher Rendite realisieren lassen. Besonders interessant ist dabei, dass Maßnahmen, die gezielt auf die Optimierung der Materialeffizienz wirken, vom Bundesministerium für Wirtschaft unter bestimmten Voraussetzungen mit bis zu 50 % und bis zu einer Höchstsumme von 80.000 € staatlich gefördert werden.

 

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